Die junge Leichtathletin, die wir fördern, erreichte bei der U20 EM in Tallinn den 24. Platz. Wie sie die Höhen und Tiefen des Wettkampfs erlebte, lesen Sie hier

Wegen der strengen COVID-19-Sicherheitsauflagen waren pro Session (jeweils eine Vormittag und Nachmittag) immer nur maximal 1000 Zuseher/innen zugelassen, die strikt von den Athletinnen und Athleten getrennt wurden und keine Berührungspunkte hatten. Für die Aktiven galt eine tägliche PCR-Testverpflichtung, für die Coaches sogar MNS-Pflicht am gesamten Gelände.

WarmUp erfolgte am neben dem Stadion befindlichen Trainingsgelände, die Athletinnen wurden dann kurz vor ihrem Antritt im jeweiligen Bewerb im Callroom versammelt und wurden von Volunteers ins Stadion zu ihrer Wettkampfstätte gebracht. Danach bei den Läufen eine namentliche Vorstellung, die über die große Videowall im Stadion live übertragen wurde. Sämtliche Bewerbe wurden durch zahlreiche Kameras live gestreamt bzw. wurden über die Videowall im Stadion gezeigt (inkl. Wiederholungen usw). Vom Setting her war also kein Unterschied zu den Wettkämpfen der allgemeinen Klasse bei EM, WM oder Olympischen Spiele zu erkennen.

Das war natürlich eine völlig neue Erfahrung für mich und ich habe ein wenig gebraucht, damit zurecht zu kommen.

Tag 1

Start des Wettkampfs mit 100m Hürdenlauf

Ich war im dritten Vorlauf an der Reihe. Gerade als ich das Stadion mit meiner Gruppe betrat war der zweite Lauf mit meiner österreichischen Kollegin und Freundin Sophie Kreiner in Gang und Sophie kam bei der 4. Hürde zu Sturz und lag genau vor mir… das war in meiner Situation nicht sehr hilfreich. Erinnerungen an meinen Sturz in der Halle kamen hoch und ich war außerdem nervös wie nie zuvor. Gottseidank hat sich Sophie nicht verletzt, wurde aber wegen Behinderung (eine Hürde der Nachbarbahn ist bei ihrem Sturz auch umgefallen) disqualifiziert und damit war ihr Wettkampf schon zu Ende noch eher er richtig begonnen hatte!

Dementsprechend vorsichtig legte ich meinen Lauf an und riskierte nicht alles. Damit kamen aber auch nur 14,83s in die Wertung, was doch deutlich hinter meiner persönlichen Bestzeit war. Somit ein sehr verhaltener Start, mit dem ich nicht sonderlich zufrieden war.

© ÖLV / Coen Schildermann

Rang 16 nach Hochsprung

Auf Grund meiner persönlichen Bestzeit von 1,76m war ich in der „besseren“ von zwei Gruppen eingeteilt, die auf zwei Anlagen parallel sprangen. Noch immer nervös stieg ich bei 1,57m in den Bewerb ein und konnte danach alle Höhen bis inklusive 1,72m im ersten Versuch bewältigen. Wie stark das Feld war lässt sich an der Tatsache festmachen, dass alle 10 Athletinnen dieser Gruppe ihre Höhen (Steigerung immer 3cm) bis 1,72m OHNE Fehlversuch absolvierten. Leider schaffte ich die 1,75 nicht mehr, konnte aber viel Plätze gut machen und lag zwischenzeitlich auf Rang 16 der Gesamtwertung.

Top 20 Platzierung verpasst nach Kugelstoß

Diese Disziplin ist bekanntermaßen nicht meine Stärke und ich rechnete damit nach diesem Bewerb einige Plätze zu verlieren, was ich mit den anderen Disziplinen aber wieder ausgleichen wollte. Leider schaffte ich an diesem Tag nur 9,12m und fiel aus den Top 20 heraus. Zusätzlich zu meinem persönlichen Angstbewerb spielten sicher auch die mittlerweile über 30 Grad im Schatten und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit eine Rolle, aber diese Verhältnisse galten ja für alle Mehrkämpferinnen.

© ÖLV / Coen Schildermann

Wieder Hoffnung auf Top 20 Platzierung nach 200m Lauf

Der letzte Bewerb des ersten Wettkampftages ging bei mittlerweile 34 Grad über die Bühne. Ich war im zweiten Lauf an der Reihe und konnte mit 25,61s in die Nähe meiner persönlichen Bestzeit laufen. Das ergab nach einem langen Wettkampftag Zwischenrang 21 und die Hoffnung auf einen Top-20 Platz mit einem starken zweiten Wettkampftag.

Tag 2

Tag 2 startet hoffnungsvoll nach Weitsprung mit Platz 17

Mit meiner persönlichen Bestzeit von 5,70m in dieser Disziplin lag ich von den Nennwerten auch hier nur im hinteren Drittel. Auch hier gab es zwei Gruppen parallel auf zwei Anlagen nebeneinander. Mit einer für mich starken Serie von 5,45m/5,60m und 5,66m war ich dann doch mit vorne dabei und konnte mich wieder auf Platz 17 in der Gesamtwertung vorschieben.

Speerwurf verschiebt Platzierung leider wieder auf Rang 22

Kam nach dem Weitsprung noch Hoffnung auf eine gute Platzierung auf, wurde diese leider im Speerwurf gleich wieder zunichte gemacht. Im ersten Versuch schleuderte ich das Gerät mit einem Sicherheitswurf auf 29,99m. Der zweite und dritte Versuch gingen deutlich weiter, wurden aber wegen einer zu flachen Landung jeweils für ungültig erklärt. Der böige Gegenwind war hier nicht unbedingt auf meiner Seite, aber es half nichts. Leider verlor ich durch diesen extrem niedrigen Wert sehr viele wertvolle Punkte und fand mich vor dem 800m Lauf nur mehr auf Rang 22 der Gesamtwertung wieder.

© ÖLV / Coen Schildermann

800m Lauf bringt als Endergebnis Platz 24

Trotz der Riesenenttäuschung vom Speerwurfbewerb davor ging ich kämpferisch und topmotiviert in den Abschlussbewerb. Mit einer guten Performance war der Sprung unter die Top 20 noch möglich und diese Chance wollte ich nutzen. Angetrieben vom tollen und fairen, internationalen Publikum legte ich ambitioniert los und erreichte das Ziel als Laufdritte mit 2:23,85min. Große Freude kam auf, weil damit hatte ich noch zwei Konkurrentinnen überholt und belegte den 20. Endrang. Doch auch hier währte die Freude nur kurz, denn ich war ein wenig zu früh von meiner Außenbahn nach innen gezogen und wurde daher zurecht disqualifiziert. Damit fielen die Punkte vom 800er komplett aus der Wertung und ich belegte mit nur 6 von 7 gewerteten Bewerben den 24.Platz.

Ein starker Start für zukünftige Europa- und Weltmeisterschaften

Tränen der Enttäuschung und des Ärgers über meinen Fehler wichen aber bald den neuen Zielen:

„Das alles war diesmal dann doch ein wenig zu viel für mich. Ich war einfach so nervös am ersten Tag. Am zweiten Tag spürte ich schon die Müdigkeit, aber es war einfach toll, Österreich in einem so starken Starterfeld vertreten zu dürfen. Der Fehler zum Abschluss ist natürlich blöd, weil ich damit mein insgesamt zweitbestes Mehrkampfergebnis nicht offiziell zum Abschluss gebracht habe und mein Ziel der Top 20 nicht gepackt habe. Aber ich muss positiv denken und mir sagen, dass ich mit einem absolut nicht optimalen Mehrkampf mein Ziel hätte erreichen können. Ich kann mir nun ausrechnen, wo ich liegen würde, wenn mir ein fehlerfreier Wettkampf gelingt. Jetzt mach ich mal eine Woche Pause, dann möchte ich noch bei den Staatsmeisterschaften im Mehrkampf Ende August eine starke Performance liefern und dann gibt es nur mehr Vollgas im Training, damit ich das Limit für die U20 WM nächstes Jahr einfach früher schaffe und mich danach besser auf meine hoffentlich erste WM vorbereiten kann.“

Bild: © ÖLV / Coen Schildermann

Wir können deine Enttäuschung nachvollziehen, aber finden, dass der 24. Platz bei diesem internationalen Großevent ein ganz toller Erfolg ist! Erhol dich gut und wir freuen uns jetzt schon weitere Erfolge von dir zu lesen!